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Birmingham Kitchen

Die Portion Pommes für 2,50€ bei der Birmingham Kitchen

Nach den beiden Pommes-Verköstigungen auf der Zeil (Zeil51 und Zeil Express) darf in unserer Testreihe ganz gewiss nicht der Birmingham Pub mit seiner „Birmingham Kitchen“ fehlen: Der Birmingham Pub befand sich nämlich früher in einem der Pavillons auf der Zeil und verdankt diesem Umstand auch seinen Namen „Birmingham“.

Früher, so las ich es dieser Tage online, wurden die einzelnen Pavillons auf der Zeil nach den damaligen Partnerstädten Frankfurts benannt, und die Städtepartnerschaft mit Birmingham besteht seit April 1966.  So kam der Pub zu seinem Namen und seit dem Umzug von der Zeil an die Battonstraße, ca. 230m südlich der Konstablerwache, direkt an der Haltestelle Börneplatz gelegen, kann der Birmingham Pub mittlerweile auf eine 38jährige Geschichte zurückblicken. Ob es dort schon immer Pommes gab?

Wir befinden uns hier auch unweit der Frankfurter Fahrgasse, die bis zum 2. WK die vermutlich wichtigste Nord-Süd-Achse der östlichen Innenstadt darstellte. Wer sich etwas für die Geschichte Frankfurts interessiert, wird die Lage vielleicht zu schätzen wissen und erahnen, dass wir uns hier an einem interessanten Ort befinden, was an der nach dem Krieg entstandenen Kurt-Schumacher-Straße eher selten vorkommt. Wir befinden uns hier zudem am westlichen Rand der ehemaligen Judengasse, auf der Gemarkung der Rosenberger Einung.

Gute Pommes

Der Birmingham Pub war vermutlich einer der ersten Orte in Frankfurt, an denen ich gute Pommes gegessen habe und an den ich hier auch immer wieder freudig aus diesem Grund zurückkehre. Sei es nach einer Nacht in der Stadt noch eine Portion Pommes zum Wegbier oder tagsüber auf eine kleine Pause abseits der Menschenmassen auf der Zeil: Beim Birmingham Pub wurde ich bei den Pommes noch nie enttäuscht, und das ist eigentlich erstaunlich, weil ich gewiss nicht zur üblichen Klientel des Pubs gehöre und eigentlich eher selten auf die Idee kommen würde, an so einer Eckbude Pommes zu tanken. Kann das denn überhaupt gut sein, bei all dem Verkehr und dem Lärm und dem ganzen Drumherum? Diese Ecke von Frankfurt ist häßlich und könnte so viel schöner aussehen. Wer kommt auf die Idee, hier an dieser viel befahrenen Kreuzung eine Pommesbude neben einem seltsam anmutenden Pub zu integrieren?

Die Speisekarte hängt rechts neben der Durchreiche

1x Pommes Mayo

Hungrig nach einem längeren Fußmarsch vom Frankfurter #Bhfsvrtl und auf der Suche nach einer Packung grünem Tee (Thai nguyễn aus Vietnam, den es normalerweise bei Yuan Fa für 3,50€ gibt), beschloss ich nach meiner Odyssee durch die Frankfurter Asia Shops im Bhfsvrtl und auf der Fahrgasse bei der Birmingham Kitchen eine Portion Pommes zu bestellen. Ich wurde freudig begrüßt und meine Bestellung (Pommes Mayo, 2,50€) wurde noch durch eine kalte Cola (2,30€) ergänzt.

Es gibt eigentlich nichts geileres, als kalte, süße Cola zu fiesen, fettigen Speisen zu kombinieren. Da darf man dann auch mal sündigen und es sich so richtig gönnen. Außerdem mache ich berufsbedingt sowieso gerade Intervallfasten, also nichts essen bis zum späten Nachmittag, weil ich einfach nicht dazu komme. Und da ich seit einigen Monaten fast kein Fleisch mehr esse und meinen Insulinspiegel auf einem stabilen Level halten möchte, sind diese Pommesexkursionen immer wohlüberlegte Ausnahmen und müssen dann auch schmecken. Lebbe zu kurz für ranzige Pommes!

Die frischen Pommes wurden aus einer Edelstahlschale portionsweise ins heiße Fett getaucht und nach ca. 5 Minuten Wartezeit auf einer kleinen Pappschale serviert. „Zum Hier essen oder Mitnehmen“, fragte mich der durchtrainierte Koch noch, und die Mitnehmvariante wäre wohl in einer Styroporschachtel erfolgt. Auf die Pommes gab es dann einen sehr großzügigen Klecks Mayo aus der Flasche. Alles nicht besonders fancy, die Pommes jetzt auch keine handgeschnitzten Kartoffelspalten aus Bioanbau und blabla, sondern halt so Tiefkühldinger, die bis zu ihrem Fettbad in Ruhe in dieser Edelstahlwanne auftauen. Die Portion für 2,50 EUR, wohlgemerkt. 2,50 EUR für diese Portion wie im Bild, ansonsten 3,70 EUR für eine doppelte Portion. Anscheinend gibt es hier auch diverse Burger und Fingerfood zu kaufen, aber ob die auch in dieser Küchenecke des Pubs zubereitet werden, habe ich leider nicht verfolgt. Mein Tischnachbar verschlang zumindest genüsslich seinen Fleischburger, der richtig gut aussah.

So, und jetzt kommt es aber: Der Geschmack dieser einfachen Pommes ist gut! Ich mache den Geschmack guter Pommes irgendwie an ihrem krossen Garzustand und dem _fehlenden_ Geschmack nach altem Öl fest. Vielleicht lag es jetzt auch an der Tageszeit (~16 Uhr) und dem Abverkauf, dass es hier im Gegensatz zu den beiden anderen o.g. Zeil-Buden so viel besser schmeckte. Ich kann aber bestätigen, dass ich hier Pommestechnisch noch nie enttäuscht wurde und es immer so gleichmäßig schmeckt (und übrigens auch bei Zeil51, denen ich vor drei Tagen nochmal eine Chance gegeben hatte – leider genau der gleiche Geschmack wie beim ersten Test nach altem Fett).

Für 2,50 EUR ist das hier eine absolut stabile Nummer, die genau so schmeckt wie sie im Bild aussieht. Nothing fancy, aber eben auch keine labberigen Schwimmbadpommes, um die irgendwelche Wespen schwirren, sondern frische, heiße, gut gesalzene Pommes aus industrieller Fertigung mit einer guten Mayo aus der Tube, die auf den heißen Pommes nicht in alle Richtungen zerfließt und ihre Viskosität behält. Das ist mir ein ganz wichtiger Punkt, denn in einer Sauce ertränkte Pommes sind mir zu matschig. Und übrigens Mayo aus der Tube: So eine Tube kann hygienischer sein als ein großer Eimer mit Pumpspender, weil im Laufe eines Tages eine Tube locker geleert werden kann und so ein Pumpspender vielleicht eher nicht (= und der Pumpspender vielleicht auch eher nicht gereinigt / durchgespült wird).

Ich würde diesem Pommesangebot also 9 von 10 Pommessternchen geben, weil sie mir einfach schmecken, nicht viel kosten und frisch zubereitet werden. Gute, solide Pommes für relativ wenig Geld.

Der Birmingham Pub öffnet gegen 13 Uhr und hat dann bis 6 Uhr am nächsten Morgen geöffnet. Und wenn es diesen Laden schon fast 40 Jahre lang gibt, dann müssen die wohl irgendwas richtig machen bei ihrem Angebot. Die Pommes sind es auf jeden Fall und ich kann die Pommes zumindest nur empfehlen.

Vor dem Imbissstand gibt es drei Bänke mit soliden Tischen, ansonsten an der Wand entlang noch eine stabile Edelstahlleiste, die zugleich als Ablage dient und wo das erste Foto entstand. Es gewinnt hier alles keinen Schönheitspreis, und tagsüber zwischen dem Verkehr kommt vielleicht nicht jeder darauf, sich hier fix Pommes zu bestellen. Es funktioniert aber alles, ist also funktional. Toiletten nicht getestet, vermutlich innen im Lokal. Die Servietten übrigens auch aus stabilem Papier, die bei ihrer Benutzung nicht gleich zerfallen oder das Fett nur weiter verschmieren, sondern richtig aufsaugen.

Und zum Abschluss auch noch der wichtige Hinweis, dass mir schlechte Pommes oft noch Stunden später geschmacklich im Hals stecken oder schwer im Magen liegen. Das ist hier gar nicht der Fall, was vermutlich auch wieder am Zustands des Öls liegt. Vielleicht sollte man hier mal um 4 Uhr morgens vorbeischauen, nach einer langen Nacht und vielem Abverkauf. Aber dann muss es meistens nur noch sättigen.

Wie würdest Du diese Pommes bewerten? Schreib es in die Kommentare!

 

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